Management der Tiere

Tiere kaufen, besitzen und halten ist die eine Sache, mit Ihnen eine Freude haben und zurecht kommen die Andere.

Wie bei den meisten Züchtern oder Haltern, war es bei mir auch so, dass auf Grund der Euphorie nun Hochlandrinder zu halten und zu züchten, vieles überstürzt begonnen wurde. Es hat im Nachhinein betrachtet, keinen Sinn Tiere auf ein Areal zu geben, bei dem die nötige Infrastruktur fehlt. Auf eine Einzäunung denkt jeder, aber was ist wenn die Tiere behandelt werden sollen oder sogar müssen? Ausreichend funktionierende Wasserversorgung? Unterstand?
Es ist klar das professionelle Treibgänge und Behandlungsstände nur bei größeren Betrieben wirtschaftlich sind. Auf kleineren Betrieben sollte jedoch unbedingt, bevor die Tiere am Hof sind, eine bauliche Anlage errichtet werden, in der den Tieren die Bewegungsfreiheit so weit wie möglich genommen werden kann bis hin, dass eine Fixierung mit dem Strick möglich ist .
Ja, ja diese Cowboy-Zeiten und das Überlebenstraining habe auch ich hinter mir !
Mit führigen Tieren ist der tägliche Umgang in keiner Weise ein Problem. Deshalb widme ich meinen Jungtieren sehr viel Zeit damit sie eine tief verwurzelte „sanfte“ Beziehung und viel Vertrauen zum Menschen haben. Es ist sicher möglich mit einer „Brutalversion und Nasenring“ (bei männlichen Tieren) binnen zwei bis drei Tagen ein Tier führig zu machen, wenn sein muss mit Hilfe eines Traktors, aber dann ist im Vorfeld schon viel schief gelaufen und wahrscheinlich der Bezug Züchter-Tier auch nur bedingt gegeben.
Bei mir bekommen Tiere im Alter von 5-6 Monaten ein Halsband angelegt. Beim Anlegen dieses Halsbandes kann man den Charakter des Tieres und dessen Vertrauen in den Menschen erkennen. Optimal ist es wenn es auf freier Wiese, ohne weitere Hilfsmittel durchgeführt werden kann. Sollte der erste Versuch scheitern, gibt es ja noch andere Tage.......!!!!!
Hat das Kalb nun ein Halsband ist es ein leichtes mit Ihm herum zu spielen und herum zu albern, und mal am Halsband hin und her zu ziehen. Bei der kleinsten Abwehrreaktion des Kalbes wird nichts mehr weiter erzwungen. Das praktiziere ich so lange bis für das Kalb ein Anhängen, einschließlich dem Muttertier, etwas selbstverständliches ist.
Dann kann die ganze Übung mit einem Halfter wiederholt werden, bis hin zum Führen mit dem Strick. Es muss Mensch und Tier die erforderliche Geduld und Ausdauer haben.
Ist dies alles gefestigt, dauert es pro Tier ca. 40 Stunden bis man mit diesem Tier auf Schauen fahren, nur am Halsband angehängt Blutproben nehmen, den Halfter oder Halsband auf der Weide umhängen und wieder entfernen kann. Wenn die Jungstiere am Halfter und nicht am Nasenring vorgeführt werden können, dann ist es geschafft!!
Damit die Tiere aber nicht „auswildern“, sind solche Übungen, bei den Jungtieren wie auch bei den Alttieren, von Zeit zu Zeit zu wiederholen. Gute Anlässe sind die amtlichen Blutuntersuchungen, Gewichtskontrollen durch überschreiten einer Waage, bei Weidenwechsel, bei Deckeinsätzen der Stiere usw.
Mit solch führigen und handzahmen Tieren ist das weitere Herdenmanagement viel leichter zu praktizieren.
Auf meinem Betrieb gibt es zwei bis drei Winterplätze. Zugegeben der dritte Platz ist nur eine Notstelle, erfüllt aber genauso alle Anforderungen zum optimalen Halten und Versorgen der Tiere. Auf diesen Plätzen werden die Tiere getrennt nach Hauptherde und den weiblichen Jungtieren überwintert. Die männlichen Jungtiere, falls sie überhaupt so lange am Betrieb sind, bleiben den ersten Winter bei der Hauptherde am Winterplatz, denn mein sehr dominanter Zuchtstier Platanus vom Patzenhof sorgt ohne Probleme für „Zucht und Ordnung“.
Meiner Meinung ist es gut wenn Jungstiere eine Unterordnung hinnehmen müssen, denn dann sind sie in weiterer Folge umgänglicher.
Die weiblichen Tiere werden mit zwei bis zweieinhalb Jahren gedeckt und kommen dann zur Hauptherde.
Als Entscheidungshilfe wann eine Kalbin zu belegen ist oder nicht wird von mir der Rahmen als Kriterium herangezogen. Die Kalbin sollte eine Kreuzbeinhöhe von über 130 cm haben. Das Gewicht ist bei weiblichen Tieren nebensächlich, bzw. bei zu schweren Tieren kontraproduktiv.
Durch die oben angeführte Umgänglichkeit kann kurzfristig, nach reichlichen züchterischen Überlegungen, entschieden werden zu welchem Stier die Kalbin kommt oder ob sie künstlich besamt wird.
Künstliche Besamung ist derzeit nur ein untergeordnetes Thema, bei den zwei tollen Zuchtstieren welche derzeit bei mir decken.



Züchten ist bei einem funktionierendem Herdenmanagement kein Problem !